Anweisungen für die Saison 2008/2009
Allgemeines
Nachdem die Regeländerungen für die kommende Saison allen am Spielbetrieb Beteiligten übermittelt und mit Beispielen erläutert wurden, nun die umfassenden Anweisungen für die Saison 2008/2009. Im eigenen und im Interesse aller Schiedsrichter ist genaueste Beachtung Grundvoraussetzung für einen geordneten Saisonablauf.
1. Spielberichte (Meldungen/Feldverweise)
Relevante Vorgänge sind genau und mit namentlicher Nennung der Personen zu schildern, damit sich Klassenleiter und Sportgericht ein klares Bild machen können. Dies gilt speziell bei Feldverweisen und bei besonderen Vorkommnissen. Dabei muss eine vorausgegangene Provokation erwähnt werden, weil sie das Strafmaß beeinflusst.
Bei einem Feldverweis wegen Verhinderung eines Tores oder einer offensichtlichen Torchance ist mit anzugeben, ob der für die Regelübertretung verhängte Freistoß oder Strafstoß zum Tor geführt hat oder nicht. Auf eventuell zu erstellende Zusatzberichte ist im Spielbericht hinzuweisen. Falls ein Vorgang allein vom Schiedsrichter-Assistenten beobachtet wurde, ist dies im Bericht zu erwähnen.
2. Schwere Fouls/Tätlichkeiten
Schwere Fouls sowie Tätlichkeiten werden nach Regel 12 mit Platzverweis geahndet. Ein schweres Foul liegt vor, wenn ein Spieler im Zweikampf um den Ball den Gegner mit übertriebener Härte oder brutalen Mitteln angreift. Wer seinen Gegner im Kampf um den Ball von vorne, von der Seite oder von hinten mit einem oder beiden Beinen übermäßig hart angreift und dadurch dessen Gesundheit gefährdet, begeht ein schweres Foul. Eine Tätlichkeit kann ebenso auf wie neben dem Feld begangen werden, unabhängig davon, ob der Ball im Spiel ist oder nicht. Eine Tätlichkeit liegt vor, wenn ein Spieler außerhalb eines Zweikampfes um den Ball den Gegner mit übermäßiger Härte oder brutalen Mitteln angreift (das Wort Tätlichkeit ist jedoch im Spielbericht zu vermeiden).
3. Regelwidrigkeiten gegenüber dem Torwart
Den Schiedsrichtern werden folgende Punkte in Erinnerung gerufen:
- Der TW darf nicht daran gehindert werden, den Ball aus seiner Hand zu spielen.
- Versucht ein Spieler den Ball zu spielen, während der Torwart diesen gerade aus der Hand spielen möchte, so ist dies nicht erlaubt und muss geahndet werden.
- Der Torwart darf bei Eckstössen in seiner Bewegung nicht durch unfaire Behinderung gestört werden.
4. Abschirmen des Balles
Ein Spieler in unmittelbarer Nähe des Spielgeschehens darf den Ball vor dem Gegner abschirmen; er darf allerdings seine Arme nicht zur Hilfe nehmen. Hindert er jedoch den Gegner durch unerlaubten Einsatz seiner Hände, Arme, Beine oder seines Körpers daran, einen Zweikampf zu bestreiten, wird dies mit einem direkten Freistoß und bei entsprechender Regelwidrigkeit im Strafraum mit einem Strafstoß geahndet.
5. Absichtliches Handspiel
Die Schiedsrichter werden daran erinnert, dass nur ein absichtliches Handspiel mit einem direkten Freistoß, im Strafraum mit einem Strafstoß geahndet wird. Normalerweise müssen Spieler deswegen nicht verwarnt oder des Feldes verwiesen werden. Verwarnungen gibt es dann, wenn es sich um ein ?unsportliches? Handspiel handelt (z.B. Torerzielung mit der Hand).
6. Regelung Notbremse
Wer einem Gegner durch ein Foulspiel eine eindeutige Torchance nimmt, erhält ?Rot?. Dies gilt auch für Foulspiele im Strafraum! Auch für einen Torhüter gibt es ?Rot?, wenn sein Angriff nicht eindeutig dem Ball gilt. Unter einer eindeutigen Torchance verstehen wir, wenn in kürzester Zeit das Tor erzielt werden kann. Verhindert ein Spieler durch ein absichtliches Handspiel ein Tor oder eine offensichtliche Torchance, wird auch er des Feldes verwiesen.
7. Reklamieren
Jeder Spieler der protestiert ist zu verwarnen! Wer einen Schiedsrichter oder einen Schiedsrichter-Assistenten stößt oder am Hemd packt, erhält ?Rot?!
8. Fordern einer persönlichen Strafe
Fordert ein Spieler für einen Gegenspieler vehement eine persönliche Strafe, so ist dieser Spieler selbst zu verwarnen.
9. Halten eines Gegners
Schiedsrichter werden oft dafür kritisiert, dass sie das Halten des Gegners nicht korrekt erkennen und entsprechend bestrafen. Werden das Zerren am Trikot oder das Halten eines Gegners am Arm nicht angemessen geahndet, kann es zu Auseinandersetzungen kommen. Die Schiedsrichter sind angehalten, entsprechend Regel 12 früh energisch einzuschreiten. Meist reicht es, das Vergehen mit einem direkten Freistoß oder einem Strafstoß zu ahnden. In bestimmten Fällen jedoch sind zusätzliche Sanktionen angezeigt, z.B.:
- Hält ein Spieler einen Gegner offenkundig fest und hindert ihn daran, in Ballbesitz oder in eine günstige Position für den Spielaufbau zu gelangen, wird dies mit einer Verwarnung für unsportliches Betragen geahndet.
- Hindert ein Spieler den Gegner daran ein Tor zu erzielen indem er ihn festhält, wird er vom Platz gestellt.
10. Ellenbogeneinsatz
Bei Zweikämpfen in der Luft werden laufend die Ellenbogen eingesetzt. Hierbei handelt es sich um Foulspiele und nicht um korrekten Körpereinsatz. Hier sind auch die Assistenten gefragt, die den Mut haben müssen, brutale Ellenbogeneinsätze auch so zu schildern.
11. Treten von Freistößen
Den Schiedsrichtern wird in Erinnerung gerufen, dass in folgenden Fällen eine Verwarnung ausgesprochen werden muss:
- Ein Spieler verhindert die Wiederaufnahme des Spiels.
- Ein Spieler hält den Mindestabstand bei der Freistoßausführung nicht ein.
12. Anzeigen von Abseits
Eine Abseitsposition stellt an sich keine Regelwidrigkeit dar und darf durch den Schiedsrichter-Assistenten nur angezeigt werden, wenn ein Spieler in das Spiel eingreift. Grundsätzlich hat sich gegenüber der vergangenen Saison nichts geändert. Wenn ein Ball offensichtlich zu einem Spieler gespielt wird, der sich in einer Abseitsposition befindet und auch nur dieser Spieler an den Ball kommen kann, so hebt der Assistent in dem Augenblick die Fahne, wo er dies erkennt, bzw. der Schiedsrichter pfeift dann schon Abseits. Dieser Spieler greift eindeutig ins Spiel ein. Besteht jedoch ein Zweifel, ob der Ball auch wirklich zu dem abseits stehenden Spieler gelangt, oder wenn zwei Spieler nach dem Ball laufen, wobei einer abseits stand und der andere nicht, so muss mit der Abseitsentscheidung so lange gewartet werden, bis klar erkennbar ist, welcher Spieler den Ball spielt (?wait and see?).
Weiterhin ist auch dann auf Abseits zu entscheiden, wenn ein Spieler ins Spiel eingreift, indem er einem Gegenspieler eindeutig die Sicht versperrt, oder wenn er einen Gegner daran hindert, den Ball spielen zu können (behindern, täuschen oder ablenken). Außerdem ist auf Abseits zu entscheiden, wenn ein Spieler aus seiner Abseitsstellung einen Vorteil erlangt, indem er den Ball spielt, der vom Pfosten oder Querlatte oder von einem gegnerischen Spieler zu ihm prallt. Der indirekte Freistoß ist an der Stelle auszuführen, wo sich der abseitsstehende Spieler im Augenblick der Ballabgabe befand.
13. Simulieren
Täuscht ein Spieler eine Verletzung oder ein an ihm begangenes Foulspiel vor, gilt dies als Simulieren, und der Spieler muss für unsportliches Betragen verwarnt werden. Liegt kein Foul aber ein Körperkontakt vor und ein Spieler kommt (vielleicht auch spektakulär) zu Fall, so lässt der Schiedsrichter das Spiel in der Regel weiter laufen, da hier nicht von Simulation im Sinne der Regelbestimmungen gesprochen werden kann.
14. Verhinderung der Wiederaufnahme des Spiels
Spieler, welche die Wiederaufnahme des Spiels durch eine der folgenden Aktionen verhindern, werden vom Schiedsrichter verwarnt:
· einen Freistoß absichtlich an der falschen Stelle ausführt, um damit den Schiedsrichter zu zwingen, die Ausführung wiederholen zu lassen,
· einen Einwurf vorbereitet, dann aber plötzlich den Ball einem Mitspieler überlässt,
· nach einer Spielunterbrechung durch den Schiedsrichter den Ball wegspielt oder ihn mit den Händen wegträgt,
· die Ausführung eines Einwurfs oder eines Freistoßes übermäßig verzögert,
· bei seiner Auswechslung das Spielfeld absichtlich langsam verlässt,
· eine Konfrontation provoziert, indem er den Ball absichtlich in die Hand nimmt, nachdem der Schiedsrichter das Spiel unterbrochen hat.
15. Torjubel
Es ist den Spielern gestattet, einen Torerfolg zu feiern; der Torjubel sollte jedoch nicht übertrieben sein.
Vertretbarer Torjubel wird von der FIFA ausdrücklich gestattet. Verstreicht bei Jubelzeremonien jedoch zu viel Zeit, sind die Schiedsrichter aufgefordert einzuschreiten.
Verwarnungen werden in folgenden Fällen ausgesprochen:
· Ein Spieler streift sein Trikot über den Kopf (Grenze = Kinn), verdeckt mit dem Trikot sein Gesicht ,zieht es aus oder bedeckt sein Gesicht mit einer Maske
· ein Spieler macht in den Augen des Schiedsrichters provokative, spöttische oder hetzerische Gesten
· ein Spieler klettert an einem Zaun am Spielfeldrand hoch, um ein Tor zu bejubeln.
Akzeptiert wird, beim Torjubel das Spielfeld zu verlassen; die Spieler sind jedoch angehalten, so rasch wie möglich wieder auf das Spielfeld zurückzukehren. Die Schiedsrichter sind aufgefordert, präventiv einzuschreiten und bei der Beurteilung des Torjubels den gesunden Menschenverstand walten zu lassen.
16. Schmuck
Spieler dürfen gemäß Regel 4 keinen Schmuck (Ringe, Halsketten, Ohrringe, Gummibänder) tragen. Gefährdende Gegenstände dürfen auch nicht mit Tapeband gesichert werden, sondern müssen abgelegt werden. Die Schiedsrichter haben schon bei der Kontrolle vor dem Spiel auf die Einhaltung dieser Bestimmung zu achten. Des weiteren werden sie (die SR) gebeten, mit gutem Beispiel voranzugehen (Ausnahme: Uhr zur Zeitmessung).
17. Unterziehhemden
Spieler dürfen Unterziehhemden mit Aufdruck nicht zum Vorschein bringen. Zeigt ein Spieler z.B. nach einem Torerfolg sein Unterziehhemd mit einem Aufdruck, so ist dies im Spielbericht zu melden. Langärmlige Unterziehhemden dürfen nur unter kurzärmligen Trikots getragen werden wenn Farbgleichheit besteht.
18. Anzeigen der Nachspielzeit
Die Nachspielzeit zeigt der Schiedsrichter (bzw. wo vorhanden Vierte Offizielle) am Ende jeder Spielhälfte in der letzten offiziellen Minute an. Die Nachspielzeit kann ggf. noch verlängert werden, eine Verkürzung ist dagegen nicht möglich.
19. ?Rudelbildung?
Bei einer ?Rudelbildung? ist höchste Konzentration geboten. Vergehen, die während der ?Rudelbildung? geschehen, sind zu sanktionieren. Hier müssen die vorgesehenen Strafen ?Gelb? oder ?Rot? folgen. Mit einem ?shake-hands? kann das nicht abgetan sein.
20. Umgang mit verletzten Spielern
Die Schiedsrichter müssen im Umgang mit verletzten Spielern folgende Bestimmungen befolgen:
- Ist ein Spieler nach Ansicht des Schiedsrichters nur leicht verletzt, läuft das Spiel bis zur nächsten Unterbrechung weiter.
- Ist ein Spieler nach Ansicht des Schiedsrichters ernsthaft verletzt, wird das Spiel sofort unterbrochen.
- Nach kurzer Befragung des Spielers erlaubt der Schiedsrichter höchstens zwei Betreuern das Spielfeld zu betreten, um die Art der Verletzung zu bestimmen und sofort den sicheren Transport des Spielers an den Spielfeldrand zu organisieren.
- Falls ein Spieler ernsthaft verletzt ist, betreten auf einen Hinweis des Schiedsrichters die Helfer mit der Trage den Platz gleichzeitig mit den Betreuern, um für einen schnellen Abtransport zu sorgen.
- Der Schiedsrichter sorgt dafür, dass ein Spieler sicher an den Spielfeldrand transportiert werden kann.
- Der Spieler darf nicht auf dem Platz behandelt werden(nur ?Erstversorgung zum Transport?).
- Spieler mit blutender Wunde müssen das Spielfeld verlassen. Sie dürfen erst wieder auf das Spielfeld zurückkehren, wenn sich der Schiedsrichter vergewissert hat, dass die Wunde nicht mehr blutet.
- Sobald der Schiedsrichter den Betreuern die Erlaubnis erteilt hat das Feld zu betreten, muss der verletzte Spieler den Platz auf der Trage oder zu Fuß verlassen. Hält sich ein Spieler nicht an diese Bestimmung, wird er für unsportliches Betragen verwarnt.
- Ein verletzter Spieler darf erst wieder auf das Spielfeld zurückkehren, wenn das Spiel wieder aufgenommen wurde.
- Nur der Schiedsrichter darf einem verletzten Spieler gestatten, das Spielfeld wieder zu betreten, egal, ob der Ball im Spiel ist oder nicht.
- Während der Ball im Spiel ist, darf ein verletzter Spieler über die Seitenauslinie wieder ins Spiel kommen. Ist das Spiel jedoch unterbrochen, kann der Verletzte an irgendeiner der Außenlinien das Spielfeld wieder betreten.
- Wenn das Spiel nicht aus einem anderen Grund unterbrochen wurde oder wenn eine Verletzung nicht durch einen Verstoß gegen die Spielregeln verursacht wurde, setzt der Spielleiter die Partie mit einem Schiedsrichter-Ball fort.
- Der Schiedsrichter lässt die gesamte Zeit, die während einer Verletzungspause verstrichen ist, am Ende jeder Hälfte nachspielen.
In folgenden Fällen gelten diese Bestimmungen nicht:
- Verletzung eines Torwarts
- Zusammenstoß eines Feldspielers mit einem Torwart mit der Notwendigkeit einer sofortigen Pflege
- Vorliegen einer schweren Verletzung, z.B. verschluckte Zunge, Gehirnerschütterung, Beinbruch usw.
- Wird ein Torwart auf dem Spielfeld gepflegt, so kann während dieser Zeit auch ein Feldspieler gepflegt werden, ohne dass er das Spielfeld anschließend verlassen muss.
21. Regeländerungen
Bedingt durch die Neufassung des Regelheftes gibt es neue Interpretationen und auch Personengruppen. Hier die 3 wichtigsten Veränderungen.
Gruppe der Ein- bzw. Auswechselspieler:
Sie wurden aus der Gruppe der ?Dritten? herausgehoben und erhielten einen eigenen Status. Bei Vergehen dieses Personenkreises auf dem Spielfeld gibt es in der Regel einen indirekten Freistoß wo sich der Ball bei der Unterbrechung befand. Eine Vorteilsgewährung ist ? auch bei Einfluss auf den Ball - möglich.
Unerlaubtes Betreten und Verlassen des Spielfeldes wurde durch unerlaubtes Ein- bzw. Auswirken ersetzt:
Somit werden Wurfvergehen von Außen nach Innen und umgekehrt in diesen Bereich integriert und ziehen einen indirekten Freistoß am Orte des Balles nach sich. Vorausgesetzt es handelt sich nicht um das schwere Kontaktvergehen (Voraussetzung dafür ? Gegenspieler und Kontakt auf dem Platz).
Aussprache von pers. Strafen nach Spielschluss
Diese sind möglich (mit Signalkarte und Passeinzug), solange sich der SR noch auf dem Spielfeld befindet.